Eine Erhöhung des Leitzinses ist eher unwahrscheinlich
Zurzeit gehen die meisten Händler an den Finanzmärkten und andere Experten und Volkswirte davon aus, dass bei der geplanten Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag der Leitzins des Euro nicht angehoben wird. Zumal sich auch aus den Terminsätzen für das Tagesgeld keinerlei Zinserhöhung mehr ableiten lässt.
Der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte vor einer Woche erklärt, dass der Rat der Zentralbank für diesen Donnerstag nicht festgelegt sei. Dies wurde so interpretiert, dass Trichet damit eine Zinserhöhung abgesagt hat, was sich nun scheinbar bestätigt. Die Interpretation wird auch im Hinblick auf die Äußerung des Direktoriumsmitglieds der Europäischen Zentralbank, Lorenzo Bini Smaghi, bestätigt, der einige Tage später sagte, dass die Märkte Trichet sehr gut verstanden hätten.
Entsprechend wird erwartet, dass auf die Erhöhung des Leitzinses von 4 auf 4,25 Prozent verzichtet wird. Als Begründung geben Analysten an, dass die EZB die Märkte weiter beruhigen und dazu weiter beobachten möchte, inwieweit bzw. ob überhaupt die Finanzkrise die realwirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen. Dies könnte schon am Donnerstag ersichtlicht werden, wenn dem Rat der Europäischen Zentralbank aktuelle Inflations- und Wachstumgsprojektionen vorliegen. Im Juni ging man hier noch von einer Inflationsrate von 2 Prozent und einem Wachstum von 2,3 Prozent für die Euro-Zone aus.
Die Lage am Geldmarkt ist allerdings weiterhin angespannt. So kostete das Dreimonatsgeld zum Beispiel am Montag im Schnitt 0,7 Prozentpunkte mehr als der Leitzins, der bei 4 Prozent liegt. Das signalisiert laut den Experten eine weiterhin andauernde Liquiditätsknappheit. Grund hierfür ist, dass die Geschäftsbanken zurzeit ihr Geld lieber in den eigenen Kassen behalten, als es am Geldmarkt zu investieren.
Auch das Tagesgeld verteuerte sich auf rund 4,30 Prozent, obwohl sich die Lage nach den Finanzspritzen der Zentralbank in den vergangenen Wochen eigentlich wieder beruhigt hatte. Die Geldhändler sahen allerdings durch die kräftigen Zinsanstiege keinen Anlass zur Beunruhigung. Ihrer Ansicht nach handelte es sich dabei eher um kurzfristige, operative Verteilungsprobleme. Ein anderer Geldhändler sprach allerdings auch davon, dass der Zinsanstieg bei Tagesgeld darauf zurückzuführen sei, dass die Zentralbank in der vergangenen Woche zu wenig Überschussliquidität zur Verfügung gestellt habe. Allerdings gehen die meisten am Geldmarkt davon aus, dass die EZB bei erneuten Schwierigkeiten auch wieder mit kurzfristigen Liquiditätshilfen den Markt unterstützen werde.

